Dr. Michael Hohl und ich sind Freunde, schon lang. Viele in Bayreuth glauben das wohl nicht. Aber Herr Hohl hat’s “bestätigt”. Und seitdem bin ich einer von über 4500 Freunden des OB auf Facebook. Das ist doch was. Mich hingegen muss Herr Hohl nur mit gut 300 Leuten teilen. Allein, das zeigt doch schon, wer in dieser Stadt wichtig ist und wer nicht. Wer etwas zu sagen hat und wer nicht. Gleichwohl hat Herrn Hohls CSU den Nordbayerischen Kurier und damit auch mich im laufenden OB-Wahlkampf als den eigentlichen Gegner auserkoren. Und der muss natürlich bekämpft werden. Zitat aus einem parteiinternen Rundschreiben vom vorigen Samstag: “Das Bemühen einiger Journalisten, unsere Arbeit zu diskreditieren und eine Stichwahl am 11. März 2012 zu erzwingen, treibt mitunter seltsame Blüten.”

Wenn es denn tatsächlich so wäre, wie Herr Gerhards schrieb – er ist im CSU-Fraktionsvorstand, vertritt im Stadtrat die CSU-Tarnliste BTgo! und ist kein Facebook-Freund von mir, dafür aber gefällt ihm Maisel’s Weisse – wenn Herr Rechtsanwalt Gerhards also Recht hat, dann wäre das tatsächlich ein starkes Stück! Lokalzeitung macht Politik, Kurier macht Oberbürgermeister. Ja, pfui. Wo gibt’s denn so was? Dass der OB da nicht zuschauen kann, das ist doch klar. Nur wieso hat er dann erst am Wochenende dem Lokalradio erzählt, er habe – “nein, nein, nein, nein, nein” – kein Problem mit der Zeitung.

Weil er’s tatsächlich nicht hat, denn Michael Hohl (und seine Berater) haben von  Obama gelernt: Er führt Wahlkampf über die eigene Internetseite (michael-hohl.info), vor allem aber über Facebook (https://www.facebook.com/dr.michael.hohl – was sehr zeitintensiv sein dürfte, wenn er es denn tatsächlich selber macht) und natürlich zu Fuß, in der persönlichen Begegnung mit seinen Wählern bei Vereinsversammlungen, Faschingssitzungen und “After-Work-Talks”.

Bei so vielen Aktivitäten ist klar, dass der Oberbürgermeister für die Podiumsdiskussion der Zeitung keine Zeit hat, wegen “dienstlicher Verpflichtungen” (Original-Ton CSU-Mail). Ein Wettstreit mit den drei Gegenkandidaten? Geschenkt, das ist ja wohl Wahlkampf von gestern. Sollen doch die  Mitbewerber schauen, wie sie ihre Botschaften selber unters Volk bringen.

Dass die meisten der 150 Kommentare auf der Kurier-Website von dieser – ganz offiziell terminlich bedingten – Absage empört sind … ebenfalls geschenkt! In der CSU-internen Risiko-Analyse (Was kostet den OB mehr Stimmen, die Teilnahme oder die Nicht-Teilnahme an der Podiumsdiskussion?) wurde die Sache offenbar schon vor langer Zeit entschieden.

Ich muss ehrlich sagen (und das ist nun wirklich keine Ironie!), ich finde das Hohl’sche Experiment interessant und hochspannend und vielleicht sogar richtungweisend. Vielleicht beweist “Barack” Hohl ja damit tatsächlich, dass die Zeitung vor Ort als Politikvermittler irrelevant geworden ist. Vielleicht zeigt sich auch das Gegenteil. Da sind sich die CSU-Leute immerhin  nicht sicher. Warum sonst würden sie so viel Zeit und Energie verschwenden, die Zeitung zu attackieren?

Tatsächlich wusste die Bayreuther CSU schon vier Tage (!) vor der Kurier-Veröffentlichung über die Absage des OB und meines Zeitungskommentars dazu (“Michael Hohl kneift”) exakt, was passieren wird. Am 24. Februar ging eine Rundmail an die  Mitglieder raus, unterzeichnet wieder von Parteifreund Gerhards:

“Es sollte selbstverständlich sein, dass die Amtsgeschäfte wichtiger sind als vom Nordbayerischen Kurier vorgegebene “Wahlkampftermine”. Die vom Nordbayerischen Kurier geplanten Termine für die Podiumsdiskussion wurden von Dr. Michael Hohl daher abgesagt. Der Kurier wiederum sah sich leider nicht in der Lage, einen Ausweichtermin anzubieten. Im Hinblick auf die zu erwartende Berichterstattung sei ausdrücklich betont, dass sich die Absage nicht gegen die anderen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters richtet und schon gar nichts mit “Feigheit” zu tun hat.”

Soso, dumm nur, dass dies so nicht stimmt. Unsere Zeitung hatte dem OB nach dessen Absage (und vor der CSU-Rundmail) sogar angeboten, dass er selbst einen Termin für die Diskussion bestimmen könne. Auch dies wurde unter Hinweis auf fehlende Zeit abgelehnt – na klar: Faschingsveranstaltungen als “Jungfrau”, Vereinsversammlungen, “After-Work-Talks”. Da bleibt für mich als einzig mögliche Erklärung: Der OB will einfach nicht. Aber das ist  tatsächlich sein gutes Recht, er muss ja nicht mit der Zeitung zusammenarbeiten.

Und so steht die CSU-Front unerbittlich und eisenhart (nochmal ein Zitat aus der Mail): “Liebe Freunde, lasst Euch nicht beirren, falls die (ver-)öffentlichte Meinung demnächst hierzu andere Worte spricht.”

Was ich bei allem Verständnis und meiner Neugierde über den Ausgang dieses Wahlkampf-Experiments nicht verstehe, ist, dass Michael Hohl nicht tatsächlich erhobenen Hauptes durch Bayreuth marschiert. Der Mann hat doch in seinen sechs Amtsjahren was erreicht für die Stadt. Trotzdem, so muss ich in der CSU-Mail lesen, ist er umzingelt von Gegnern:

“Liebe Freunde, wir müssen kämpfen, kämpfen, kämpfen. Es ist nicht pathetisch, wenn ich sage, dass wir aktuell gegen viele Gegner zu kämpfen haben. Bezeichnend ist, dass man uns nicht in der Sache angreift – denn da gibt es ja nichts zu kritisieren – sondern allein mit unterschwelligen, vagen Behauptungen und Diffamierungen arbeitet. Packt alle mit an, dass diese Stadt auch weiterhin in guten Händen bleibt und die Rechnung des NK und seiner Helfershelfer nicht aufgeht.”

Irgendwie erinnert mich das meine Kindheit und an Karl May  und an  die tapferen Weißen/Indianer, die im Wilden Westen überall und immer gegen die (gar nicht edlen) Siedler/Rothäute zu kämpfen hatten. Meistens hatten die Indianer das Nachsehen, oft bin ich aber auch einfach vor Ende der Schlacht aus meinem Traum aufgewacht.

Wenn ich jetzt aufwache und über den OB-Wahlkampf und Dr. Hohl nachdenke und mich an dessen Appell an seine Gegenkandidaten erinnere, einen “fairen Wahlkampf” zu führen, dann frage ich mich schon, was passiert eigentlich nach dem 11. März? Sind der “NK und seine Helfershelfer” dann immer noch der Feind, der bekämpft werden muss? Und glaubt die CSU weiterhin, Aufgabe der Zeitung sei es, Steigbügelhalter der Mehrheitspartei zu sein?

Irgendwie ist Dr. Hohl leider doch nicht Obama. Jedenfalls nicht ganz. Darum bin ich auf den 11. März sehr gespannt. Und hoffentlich bin ich danach immer noch Herrn Hohls Freund – wenigstens auf Facebook.

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P.S.: Der Nordbayerische Kurier bleibt weiter bei seiner Linie, Herrn Dr. Hohl und seine drei Gegenkandidaten im Wahlkampf gleich zu behandeln.

P.P.S.: Das Synonomlexikon setzte Helfershelfer mit folgenden Begriffen gleich: Handlanger, Kumpan, Mitschuldiger, Mittäter, Spießgeselle, Komplize.

P.P.P. S.: In den nächsten Tagen ergeht an alle vier Kandidaten die Frage, wie hoch ihr Wahlkampf-Budget ist und woher das Geld kommt. Auf die Antworten bin ich gespannt.