Fr 24 Feb 2012
An der Transparenz ist nicht zu zweifeln
Posted by jbraun under Die Stadt
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Also ganz ehrlich, der Politische Aschermittwoch der Bayreuther CSU war ein Erlebnis. Ein staatsmännischer Horst Seehofer, der seinen begeisterten Zuhörern deutlich macht, warum Bayern einmalig ist in dieser Welt, und ein kämpferischer Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl. Da Dr. Hohl sich aber auch dazu äußerte, wie transparent und offen die Arbeit des Bayreuther Rathauses entgegen aller anderslautenden Vorhaltungen sei, habe ich mich ermutigt gefühlt, per E-Mail die folgende Anfrage an den Oberbürgermeister zu stellen:
Sehr geehrter Herr Dr. Hohl,
mit großer Aufmerksamkeit – und ich darf auch sagen: mit großer Zustimmung – habe ich am Mittwochabend im Herzogkeller Ihren Ausführungen zum Thema „Transparenz“ gelauscht. Es ist bestimmt ein eindrucksvoller Beleg für Transparenz, wenn, wie Sie gesagt haben, in Ihrer Amtszeit „mehr Tagesordnungspunkte öffentlich als nichtöffentlich behandelt“ worden sind.
Auch erleichtert es sicherlich den Stadträten die Arbeit, wenn sie – wie ich nochmal aus Ihrer Rede zitieren darf – „auf meine Anordnung hin rechtzeitig vor der Sitzung ausführliche Sitzungsunterlagen mit Sachverhalt und Entscheidungsvorschlag zu jedem Tagesordnungspunkt“ bekommen. Dass es bis 2007 nicht so war, ist in der Tat ein Skandal. Denn wie konnte man von den Stadträten sachdienliche Entscheidungen erwarten, wenn sie gar nicht wussten, worüber sie zu entscheiden hatten?
Wenn ich nun ihr „Fazit“ nehme („Fazit also: die Behauptung der Intransparenz im Rathaus ist nicht wahr.“) und einen Schritt weitergehen darf, möchte ich folgendes anregen: Das Ratsinformationssystem, das bisher Stadträten vorbehalten ist, sollte für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Damit wäre es möglich, auch vergangene Sitzungen nachzulesen. Selbstredend müssten dann auch die Sitzungsprotokolle eingestellt werden. Lediglich für nichtöffentliche Protokolle wäre ein passwortgeschützter Bereich einzurichten. Das ist übrigens in anderen Teilen des Freistaats schon vor 2007 üblich gewesen.
Das führt mich zu einem weiteren Auskunftsersuchen:
Bitte lassen Sie unserer Redaktion bis 02. März 2012 die nichtöffentlichen Tagesordnungen des Stadtrats und folgender Ausschüsse Haupt, Kultur, Bau, Verkehr, Umwelt, Ferien, Ältesten sowie Sozial zukommen und zwar für die Zeit ab 01.09.2011. Für die gleichen Sitzungen hätten wir auch gerne sämtliche Beschlüsse übermittelt.
Dass all diese Informationen öffentlich zugänglich sein müssen, ist Ihnen als Jurist natürlich wohlbekannt. Sie haben sich in Ihrer Aschermittwochsrede ja auch wiederholt auf die Bestimmungen der Gemeindeordnung gestützt, und dort heißt es in Artikel 52, Absatz 3: „Die in nichtöffentlicher Sitzung gefassten Beschlüsse sind der Öffentlichkeit bekanntzugeben, sobald die Gründe für die Geheimhaltung weggefallen sind.“
Da Sie sich die Verbesserung von Transparenz auf Ihre Fahnen geschrieben habe, gestatten Sie mir bitte noch, Sie auf die Praxis in Unterfranken hinzuweisen. In einem Schreiben der Bezirksregierung an Landräte und Bürgermeister im August 2011 heißt es unter anderem, ich darf zitieren:
„Als wesentliches und grundlegendes Verfahrensprinzip des Kommunalrechts, das unserem Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip entspringt und erst die notwendige Transparenz schafft, um die Teilhabe des Bürgers am demokratischen Prozess zu ermöglichen, gilt der Grundsatz der Öffentlichkeit, d.h. die Sitzungen der kommunalen Gremien sind grundsätzlich öffentlich (Art. 52 Abs. 2 Satz 1 GO bzw. Art 46 Abs. 2 Satz 1 LKrO).
Lediglich in Ausnahmefällen darf bzw. muss die Öffentlichkeit gemäß Art. 52 Abs. 2 Satz 1 GO bzw. Art 46 Abs. 2 Satz 1 LKrO ausgeschlossen werden, nämlich dann, wenn ,Rücksichten auf das Wohl der Allgemeinheit oder auf berechtigte Ansprüche Einzelner Entgegenstehen‘. Ein Ermessensspielraum bei der Handhabung dieser Regelung besteht für die Kommunen nicht. Unter dem Begriff „Wohl der Allgemeinheit“ sind wichtige Interessen des Staates, der Kommunen oder anderer öffentlicher Körperschaften zu verstehen, z.B. die öffentliche Sicherheit und Ordnung, aber auch Verhandlungspositionen oder finanzielle Interessen. Ein Ausschluss der Öffentlichkeit kann jedoch in keiner Weise dadurch gerechtfertigt werden, dass man sich hierdurch einen einfacheren politischen Willensbildungsprozess verspricht. Gleiches gilt in Bezug auf Befürchtungen, eine öffentliche Behandlung könnte über die Medien Schwierigkeiten für die Kommune verursachen …“
In diesem Schreiben (http://www.mainpost.de/storage/med/downloads/326634_AuskunftspflichtundOeffentlichkeitRegierung.pdf) finden sich übrigens noch Hinweise über das Auskunftsrecht der Presse und wie dieses von Ihren unterfränkischen Kollegen eingeschätzt wird. Aber darüber wird in unserem Fall ja demnächst der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München entscheiden.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Braun
Chefredakteur
Nordbayerischer Kurier
11 Responses to “ An der Transparenz ist nicht zu zweifeln ”
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[...] sein. Auf meine Anfrage nach den Tagesordnungen der nichtöffentlichen Sitzungen (Blog-Post vom 24. Februar 2012) habe ich am 27. Februar 2012 per Post einen “Zwischenbescheid” von OB Michael Hohl [...]
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[...] über die nichtöffentlichen Sitzungen des Bayreuther Stadtrats und seiner Ausschüsse (siehe meine Anfrage und das Schreiben des OB). Denn inzwischen beschäftigt dieses presserechtlich sehr eindeutige [...]
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[...] die Stadtverwaltung Tagesordnungen und Beschlüsse der nichtöffentlichen Sitzungen bekannt gibt (Link), OB Hohl kündigte daraufhin eine rechtliche Prüfung an (Link) und Anfang März teilte [...]
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[...] gut? Nach gut drei Monaten hat die Stadt Bayreuth die Anfrage unserer Zeitung vom 24. Februar (Link) nach den Tagesordnungen und Beschlüsse der nichtöffentlichen Sitzung vom Stadtrat und seinen [...]
Neue Männer (auch Frauen!) braucht die Stadt!
(frei nach Ina Deter)
Transparenz muss man leben, sie muss frei sein von Strategie und Taktik.
Was will er uns eigentlich Herr Braun sagen und was treibt ihn? Ich verstehe ihn schon lange nicht mehr. Bei mir bleibt über: Die positive Meldung des OB, dass der NK wie auch die Stadträte vor Sitzungen die erforderlichen Entscheidungsunterlagen erhalten, wird von ihm zynisch zerredet resp mit anderen BRAUN- Themen vermischt. Ich finde es sehr gut, dass unser OB dies eingeführt hat, da es in der Wirtschaft ein übliches Vorgehen ist. Es zeigt nur, dass Dr.Hohl hier nahe an der Realität und weg von den verkrusteten früheren Admin- Abläufen ist. Der NK benötigt nicht seine angestammten Info- Kanäle sondern muss sich mit erhaltenen Untelragen auseinandersetzen. Schwierige Sache.
Herr Braun schwebt in akademischen Höhen, nur um Recht zu behalten oder seinen Amoklauf (sorry, es kommt mir wirklich so vor!) gegen Dr.Hohl weiter zu führen. Armes Bayreuth, noch ärmerer NK.
Lösung: NK/Zeitung abbestellen, wäre meine Empfehlung und sich überregional und im Internet mit verständlichen und neutralen Infos zu versorgen. Der persönliche Kampf von Herrn Braun gegen die zurzeit herrschende “Regierung / OB” scheint in seinen Genen zu liegen. All die OB- Zweifler dürfen sich darauf freuen, dass Herr Braun dies dann auch mit den anderen macht. Fast schon sportlich wie er sich elbst und andere fordert resp daherkommt.
Lieber Erhard,
das was Hohl hier als besonderes darstellt, ist das absolute Minimum, damit man überhaupt arbeiten kann.
Das ist zwar für Bayreuth ein Fortschritt, im Vergleich zu anderen Kommunen dieser Größe, aber lächerlich.
Ich erinnere mich an die Forderungen, die Hohl 2006 in seinem Wahlkampf in Sachen Transparenz gestellt hat.
Hiervon ist er weit entfernt. Zwar wird viel verkündet, aber wenig informiert.
Eine Jubelmeldung ist für mich keine Infomation. Information wäre für mich z.B. das gewesen, was Hohl in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung zur Finanzierung des Kongresszentrums verdammt hatte. Maisel hätte ja gerne weiter geredet, wenn Hohl ihn nicht gebremst hätte.
Nein, Gerhard: Hohl liegt es nicht, Dinge wirklich transparent zu machen.
Er ist ein Geheimniskrämer und ein Netzwerker im negativen Sinne.
Daher ist er für mich unwählbar.
Da hilft es ihm auch nicht, dass ich nun die Unterlagen schon im Schnitt fünf Tage vor einer Sitzung bekommen.
….und noch was Erhard:
1. gibt es Leute, die das anders sehen als du,
und
2. lasse ich mir von dir nicht vorschreiben, wenn ich den NK abbestelle!
Also schön auf dem Boden bleiben!!!11
Verzweiflung:
zu 2.) …, wann und ob ich den NK abbestelle!
Erhard,
gehört es nicht zur heutigen Demokratie, dass sich die Amtsinhaber einer öffentlichen Kontrolle stellen müssen?
Und es liegt in der Natur der Sache, je höher das Amt, desto mehr Kontrolle.
Ein Vergnügungswart eines Vereins muss nicht so streng beobachtet werden.
Leider empfinden es OB Hohl und seine Getreuen es meiner Meinung nach als Majestätsbeleidigung.
Wie kann man sich gegen Kritik wehren?
Mit Offenheit, Beteiligung der Bürger am Meinungsbildungsprozess und Gelassenheit im Umgang mit überzogener Kritik einzelner Bürger.
Aber nicht mitArroganz,Intransparenz,Teilwahrheiten und privaten Netzwerken.
Am Verhalten des Kuriers und seiner Redakteure gibt es wenig auszusetzen.
Im Gegenteil, ein gemachter und eingestandener Fehler wurde sofort korrigiert.
@Erhard
Endlich ist im Kurier mal jemand bereit, die jahrzehntelange “Hofschranzenberichterstattung” für den jeweiligen OB abzuschaffen, da wird sich dermaßen künstlich entrüstet und sogar zum Boykott des Kurier aufgerufen. Das verstehe wer will.
Sowas kann doch eigentlich nur von dem OB Nahestehenden kommen, die sich der vorbeugenden Unterwerfung verschrieben haben
Ich sage, es freut mich, dass die Bayreuther Lokalzeitung sich endlich für die breite Masse der Bürger zu interessieren beginnt und nicht mehr im Fahrwasser der Mächtigen zu tummeln bereit ist!!
Bravo Herr Braun, weiter so!!