Di 17 Jul 2012
Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung
Posted by jbraun under Die Zeitung
[45] Comments
Neulich durfte ich einen Vortrag halten. Ich sollte vor etwa 50 Unternehmern und Wirtschaftsbossen aus der Region über Zeitung sprechen – was man halt in solchen Fällen so sagt: wie eine Redaktion aufgebaut ist, nach welchen Grundsätzen sie arbeitet und wieso eigentlich in der Zeitung nie das steht, was drin stehen soll. Aber das wollte ich nicht, das erschien mir angesichts der digitalen Revolution, die in unserer Branche keinen Stein auf dem anderen lässt, unpassend. Ich diskutierte also mit unseren Gästen darüber, dass das Geschäftsmodell gedruckte Zeitung eigentlich am Ende ist, dass wir Journalisten schleunigst lernen müssen über die Themen zu schreiben, die unsere Leser/Kunden tatsächlich interessieren und wie schwer es den Redaktionen fällt, angestammte Pfade zu verlassen und die digitalen Herausforderungen anzunehmen.
Das Netz ist alles, und alles wird mobil. John Donahoe, Chef von Ebay und damit eigentlich branchenfremd, hat es vorige Woche im “Spiegel” auf den Punkt gebracht: “In der Medienwelt reden wir seit über zehn Jahren von der Digitalisierung und den daraus resultierenden grundlegenden Änderungen im Konsumverhalten. Aber was ist wirklich passiert? Bis auf iTunes und Veränderungen in der Musikindustrei nicht viel. Aber dann kam das iPad, und es hat geknallt.”
Es hat wirklich geknallt. 2011 war ein Wirtschafts-Wunder-Boomjahr in Deutschland, für die klassische Zeitungsindustrie war es bestenfalls mittelmäßig. Und 2012? Reden wir nicht darüber. Der nationale Anzeigenmarkt ist bei den regionalen Blättern landauf landab zusammengebrochen: Einstige Umsatzträger wie Aldi, Edeka & Co. haben sich weitgehend vom Medium Tageszeitung verabschiedet. Die Erlöse der Verlage im klassischen Printgeschäft sind auf dem Stand von Anfang der 1990er Jahre.
Aber reden wir die Zeitung nicht schlechter als sie ist: “Sollten wir einen finden, den ich nicht mehr motivieren kann – der wäre hier auch nicht mehr so glücklich”, hat BVB-Trainer Jürgen Klopp kürzlich im Interview mit der Bild-Zeitung gesagt. Der Mann hat Recht: Neue Journalisten braucht das Land – oder besser noch: Journalisten, die bereit sind, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen, sie mit zu verändern.
In einer Zukunft, in der jeder User Zugang hat zu allen Informationen, zählen nur noch: Qualität, Unabhängigkeit und Kundennähe. Vorbei die Zeiten, in denen Zeitungsredakteure ihre Abonnenten nach dem Motto versorgten: “Der Leser ist eine Sau, er frisst alles.” Der von mir sehr geschätzte Medienberater Christian Jakubetz, der einmal pro Woche auf seinem Blog die Zeitungsindustrie kaputt schreibt, hat schon recht mit seiner Einschätzung, dass gerade die Regionalzeitungen ihre Chancen in der globalisierten Nachrichtenwelt nicht wirklich nutzen, die Einzigartigkeit ihres Angebots. “Gedrucktes Heimatgefühl”, hat Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, unsere große Chance kürzlich genannt. Heimat ist auch in digitalen Zeiten wichtig, vielleicht wichtiger denn je.
Darum hier zehn Erfolgsfaktoren für die Regionalzeitung von morgen heute:
-
Lokale Basis: Das Wissen, die Kontakte und auch die Marktposition im lokalen Bereich sind Trümpfe, die im digitalen Geschäft noch intensiver ausgespielt werden müssen. Die gedruckte Tagesschau ist passé, Relevanz haben nur die Geschichten, die im erlebbaren Umfeld der Leser/User spielen.
-
Geschwindigkeit: Sie war schon immer der Schlüssel zum Leser. Für den Erfolg digitaler Produkte ist Aktualität aber das absolute Muss. Das heißt: So schnell wie möglich, so häufig wie nötig. Einfach gesagt: Es gibt keinen Redaktionsschluss mehr.
-
Social Media: In sozialen Netzwerken gewinnen wir neue Nutzer, wir binden bestehende Nutzer an die Marke, wir diskutieren und streiten, wir erklären uns. Und im Dialog mit den Menschen recherchieren wir, finden Themen und gewichten Themen neu.
-
Planung: Journalismus muss sich von vorgegebenen Terminen lösen, er kann nur mit konsequenter Planung funktionieren. Von heute auf morgen Zeitung machen, funktioniert überhaupt nicht, dann wird das Produkt Zeitung zufällig und allzu oft beliebig.
-
Verknüpfung: Digital bedeutet transparent. Unsere Quellen müssen offen gelegt werden (was nicht neu ist, aber gerne “vergessen” wird), und die Quellen müssen nach Möglichkeit auch für die Nutzer zugänglich gemacht werden.
-
Neue Formate: Jahrzehntelang hat sich das Produkt Zeitung im Grundsatz nicht verändert. Jetzt ist der Druck umso größer: Web-TV, Blogs, Audio-Slide-Shows = Wir erfinden den Journalismus völlig neu – halt, nicht den Journalismus, aber dessen Formate und Ausgabekanäle.
-
Leserbeteiligung: Wir müssen unsere Kunden ernst nehmen. Jeder von ihnen kann auch Produzent sein, und die Kommunikation zwischen Journalist und Nutzer erfolgt in Echtzeit. Das Angebot zum Dialog gilt in beide Richtungen.
-
Mobilität: Der PC hat demnächst ausgedient, das Smartphone und das iPad (oder besser das Tablet) werden zum Jedermann-Gerät. Journalisten müssen ihre Produkte auf allen möglichen mobilen Plattformen nutzbar machen (gegen Geld!). Und nicht nur das, sie müssen selber mobil werden, von überall her ihre Nachrichten und Fotos einspeisen. Schon jetzt ist das Smartphone, mit der entsprechenden Ausstattung, ein komplettes Produktionsstudio.
- Glaubwürdigkeit: Keinem Medium wird weiterhin so sehr vertraut wie der regionalen Tageszeitung. Diese Qualität, unseren Markenkern, müssen wir auch im härtesten Zeitdruck liefern. Fehler müssen wir unverzüglich korrigieren, auf Nutzerhinweise sofort reagieren.
- Haltung: Das alte Sowohl-als-auch, wasch mir den Pelz, aber mach micht nicht nass, zählt nicht mehr. Journalisten müssen sich bekennen, müssen Orientierung geben, Hintergründe aufarbeiten darstellen und vor allem: Sie müssen Klartext schreiben. Nur so bekommen sie Relevanz und erreichen ihre Leser auch emotional.
Dies umzusetzen (über)fordert vor allem jene Zeitungsjournalisten, die immer noch glauben, sie hätten in den vergangenen 25 Jahren alles richtig gemacht, weil ihnen die Abonnenten nicht davon gelaufen sind, die soziale Netzwerke standhaft ablehnen, weil sie glauben, sie verrieten dort ihre Ideale, die eine Schulverbandsversammlung 60 Zeilen lang ins Blatt hieven, obwohl sie der Text nicht interessiert, denn: Das haben wir schon immer so gemacht.
Und glauben Sie mir: Dieses Denken ist in Zeitungsredaktionen immer noch weit verbreitet!
Was passiert, wenn sich die Zeitung ändert, merken wir beim Nordbayerischen Kurier jeden Tag.
- Die Beilage “Mein Verein”, in der wir seit vorigen Oktober einmal wöchentlich die komplette Vereinsberichterstattung sammeln, erzürnt Vereinsvorstände und Bürgermeister. Sie erscheinen nicht mehr täglich in der Zeitung. Zum Glück! Denn “Pressure Groups” (Zeitungsberater Carlo Imboden) wie diese repräsentieren nur eine kleine Minderheit der Leser, auch wenn sie sich benehmen, als seien gerade sie die wichtigsten.
- Neue Formate wie unsere wöchentliche “Seitenblicke”-Seite mit Fotos zu einem bestimmten Thema spalten die Leserschaft. Ja, manche ärgern sich darüber, schreiben uns das und drohen mit Abo-Kündigung. Andere wiederum freuen sich, dass sie einen anderen Blickwinkel auf ihre Umgebung bekommen. Die sind allerdings nicht so aktiv darin, uns das mitzuteilen. Tatsächlich geht es auch nur darum, neue Ideen auszuprobieren. Und was nicht funktioniert, wird wieder eingestellt.
- Dass wir verstärkt selber Themen setzen (neudeutsch: Agendasetting) und Pressekonferenzen meiden, verwirrt und provoziert die Angehörigen der tradierten Machtgruppen. Sofort wird wechselweise mit Abo-Kündigung oder Anzeigenboykott gedroht. Dabei wird vergessen, dass eine Zeitung mit Relevanz allen nutzt, weil das, was sie veröffentlicht auch tatsächlich gelesen wird.
- Ja, und natürlich das Thema Haltung. Das wurde auf diesem Blog bereits ausführlich und in allen denkbaren Facetten diskutiert. Um’s noch einmal klar zu stellen: Der Nordbayerische Kurier ist weder CSU noch SPD, weder rechts noch links, weder für noch gegen Festspielhaus. Er ist ausschließlich der Wahrhaftigkeit verpflichtet und damit seinen Lesern.
Lauter hehre Grundsätze. Unsere Zeitung hat sich auf den Weg gemacht, aber sie steht – zugegeben – ganz am Anfang. Und wie überall gibt es Mitarbeiter, die uneingeschränkt und aus vollem Herzen diesen Weg mitgehen und andere, die sich durchmogeln wollen oder gar blockieren. Letztere werden lernen müssen, dass der Markt kein Erbarmen kennt, weil gemeinhin der Langsamste das Tempo bestimmt. Und eine geringe Veränderungsgeschwindigkeit kann sich keine Zeitung leisten. Im Mittelpunkt der Bemühungen muss immer der Kunde, der Leser stehen. Für ihn arbeiten wir.
“Als Journalist muss man seine Leser lieben”, hat Paul-Josef Raue, Chefredakteur der Thüringer Allgemeine und großer Reformer des Lokaljournalismus einst gefordert. Besser kann man es nicht formulieren.
P.S.: (19.07.12) Christian Jakubetz (“Journalisten, die eigentlich gerne etwas anderes machen würden, schreiben Dinge für Menschen, die wissen, dass die Journalisten eigentlich etwas anderes schreiben müssten. Das klingt nicht sonderlich prickelnd – ist aber vermutlich realistischer als die Annahme von der Revolution des (gedruckten) Lokaljournalismus.”) hat auf seinem Blog geantwortet und ich auf ihn: Link.
45 Responses to “ Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung ”
Trackbacks & Pingbacks:
-
[...] dazu: “Seinen Leser lieben” Beitrag von Joachim Braun, Nordbayerischer Kurier (17.6.2012) [...]
-
[...] Jetzt hat er sich auch ein paar Gedanken gemacht über die generelle Zukunft von Zeitungen. In zehn “Erfolgsfaktoren” gepackt schildert er, wie und warum die gute, alte Tageszeitung Zukunft haben [...]
-
[...] des “Nordbayerischen Kuriers”, Joachim Braun, hat einen ziemlich bemerkenswerten Blogeintrag geschrieben. Momentan hat er es auf weit über 200 Likes gebracht und wie oft er in meiner [...]
-
[...] Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung « Ankommen in Bayreuth. [...]
-
Mixed Links…
Einen ähnlichen Schluß zu den Sponsoren kann man aus “Seinen Leser lieben ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung” von Joachim Braun ziehen….
-
[...] der Fahrer-GPS-Sensoren verhindert wurde. Einen ähnlichen Schluß zu den Sponsoren kann man aus „Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung“ von Joachim Braun ziehen. Wo wird ein potentieller Sponsor seine Schwerpunkte setzen wollen, wenn [...]
-
[...] seiner gelegentlichen Posts im eigenen Blog “An(ge)kommen”. Ich denke etwa an seine “10 Gebote” (heute “Erfolgsfaktoren” genannt) für die Regionalzeitung. Die hat sich zweifellos [...]
Sehr viele richtige Gedanken Herr Braun,
aber vergessen sie bitte auch nicht, dass der Verlag seine Mitarbeiter lieben muss. Journalisten, die schlecht bezahlt werden und ständig unter Druck stehen, sind wohl kaum in der Lage, ein gutes kreatives Produkt namens Zeitung zu kreieren. Wie soll denn der Leser etwas schätzen – nämlich Inhalte – welche dem Verleger noch nicht einmal das Mindesthonorar für Freie wert sind?
Noch etwas zum Thema Pressekonferenzen: Diese Sichtweise ist mir auch von Kollegen bekannt. Ich kann sie aber beim Besten Willen nicht nachvollziehen. Sicher muss eine Redaktion nicht zu jeder PK hingehen. Aber nach meiner Erfahrungen ergeben sich dort immer interessante Aspekte, welche über die bloße Pressemitteilung hinausgehen. Oft ergeben sich daraus neue interessante Geschichten. Und an die kommt man sonst eben oftmals nicht.
Und abschließend zum Thema Haltung: Da sind auch die Verlagsspitzen gefragt. Sie müssen beantworten, ob ihnen Qualität wichtig ist oder es nur darum geht, irgendwie Seiten zu füllen. Qualität kostet Geld und wenn Regionalzeitungen diese nicht mehr liefern – und zwar in ihrer unmittelbaren Kernkompetenz, dem Lokalen – sind sie über kurz oder lang entbehrlich.
Ralph Bauer
Bezirksvorsitzender Mainfranken des BJV
Lieber Herr Bauer,
dieser Verlag liebt seine Mitarbeiter, und ich tu’s auch. Und das nicht mal uneigennützig: Denn ich weiß, dass Journalisten, die schlecht behandelt werden und ständig unter Druck stehen, keine Lust haben und keinen Spaß haben und das dabei nichts rauskommen kann. Wir zahlen nach Tarif, und es gibt sogar zum Ausgleich für Mehrarbeit zusätzliche freie Tage. Bei der Bezahlung freier Mitarbeiter haben wir tatsächlich Nachholbedarf, aber wir arbeiten dran.
Das ist die eine Seite. Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich unseren Tarifvertrag für eine gute Sache halte, dann kann ich Ihnen nur sagen: Nein! Belohnt werden jene, von denen ich im Post weiter oben schreibe. Die Sitzredakteure, die Bremser – weil sich die Bezahlung nach Dienstjahren und nicht nach Leistung und Motivation richtet. Und dieses Problem gibt esin jeder Redaktion – fragen Sie nach.
Interessanterweise sind es auch genau diese Kollegen, die über Arbeitsüberlastung oder unzumutbare Arbeitsbedingungen klagen, während ich immer staune, wie lang so eine Mittagspause sein kann, warum Texte so geschrieben werden, wie man es schon vor 15 Jahren nicht mehr hätte machen dürfen oder warum sie just in dem Moment, wenn zur Konferenz gerufen wird, erst mal in Gemütsruhe aufstehen und einen Kaffee holen müssen.
Ungerecht ist, dass die wirklich arbeiten, weil sie was reißen, was bewegen wollen, die man bremsen muss, weil sie auch in ihrer Freizeit noch recherchieren würden, nie klagen. Weil sie eben wissen, dass dieser Beruf eine Herzenssache ist.
Aber bevor ich mich hier in Teufelsküche schreibe, noch zu Ihren beiden anderen Fragen: Zu Pressekonferenzen zu gehen, zu schauen, was sich an Themen ergibt und gegebenenfalls nichts zu schreiben, finde ich absolut richtig. Nur passiert es oft nicht, und am Ende steht ein Bericht im Blatt, weil halt ein Bericht drin stehen soll.
Und die Haltung: Diesem Verlag, und nur für den kann ich sprechen, ist bewusst, dass die Redaktion das Herz des Unternehmens ist. Und darum wurde zuletzt investiert, in Personal und Ausstattung. Jetzt muss dies von uns auch bestätigt werden.
Lieber Herr Braun,
danke für die schnelle und ausführliche Antwort. Schön, wenn Ihr Haus noch Tarif bezahlt. Dann wäre es nett, wenn sie dazu beitragen könnten, dass sich all ihre wichtigen und richtigen Erkenntnisse auch einmal bei den anderen Chefredakteuren verbreiten. Übrigens habe ich in meinem Kommentar nicht explizit den NK gemeint, sondern Zeitungshäuser generell. Bei denen ist ja Tarifflucht inzwischen beinahe an der Tagesordnung.
Es freut mich sehr, dass sie das Thema Mindesthonorare als Problem erkannt haben und daran arbeiten. Im Sinne meiner freien Kollegen aus Oberfranken hoffe ich, dass dem auch Taten folgen. Und ihnen persönlich wünsche ich, so viel Schung mit ihren Ideen zu entfachen, dass Bremser keine Chance mehr haben.
Beste Grüße nach Oberfranken
Ralph Bauer
“während ich immer staune [...] warum Texte so geschrieben werden, wie man es schon vor 15 Jahren nicht mehr hätte machen dürfen…”
Hallo Herr Braun,
können Sie hierfür vielleicht ein, zwei Beispiele anführen, was nicht mehr so wie früher “gemacht werden darf”? Meinen Sie den Schreibstil, Ausdrucksweise, Komplexität oder was zum Beispiel?
Na ja, Frakturschrift ist out.
Erweiterungsvorschlag:
11. Erscheinungsweise
Ich glaube, die werktägliche Erscheinungsweise der Zeitung wird sich nicht halten lassen. Zeitungen, die sich schon jetzt auf 2 Vollausgaben pro Woche vorbereiten, werden einen Vorteil haben.
Sie mögen Recht haben, aber im Moment will der Lesermarkt noch anderes. Doch wir werden sehen, vielleicht geht’s ja in nicht allzu ferner Zeit auch ganz ohne gedruckte Ausgaben.
Vielleicht ist aber auch eine Mischform (zumindest für die Übergangszeit) denkbar. Ein “Basisblatt” unter der Woche, dass den Auftrag der aktuellen Berichterstattung erfüllt. Und ein Wochen(end)-Blatt, dass eher dem Charakter eines Magazins entspricht. Hintergründe, tiefer gehende Themen/Reportagen, gute Stücke, gute Bilder. Möglicherweise gekoppelte mit einfachen Wegen zu multimedialen Inhalten, etc.
Im Abo wäre dann beides regulär enthalten. Aber man könnte beispielsweise auch nur das Abo für das “Magazin” anbieten, so würde der Verlag schnell sehen, ob die Leser ein entsprechendes Format zu schätzen wüssten.
Ich halte Ihre Aussage zur Geschwindigkeit (Punkt 2) für ergänzenswert.
Geschindigkeit wird in der Online-Berichterstattung in der Tat meistens durch den Leser belohnt. Die Zeitung kann hier nicht mithalten.
Zu wenig spielt der Journalismus online allerdings einen anderen Vorteil nicht wirklich aus.
Oft kommt es in Print vor, dass ein wichtiges, kurz vor Redaktionsschluss aufkommendes Thema schnell noch mit ein paar Zeilen auf die Titelseite gehievt wird, um den Anschein von Aktualität zu vermitteln.
Ähnlich verhält es sich mit Spielberichten von Champions League-Spielen, die in den meisten Häusern sehnsüchtig von der Druckerei erwartet und deshalb mit heißer Nadel gestrickt werden.
Online ist man diesem Geschwindigkeitsdruck nicht so sehr ausgesetzt. Natürlich kann oder sollte man ein aktuelles Ereignis schnell berichten.
Aber im Anschluss daran droht kein Redaktionsschluss, kein Drucker wird nervös. Man hat die Zeit, das Thema vernünftig aufzubereiten.
Dementsprechend ist Online nicht (nur) schneller, sondern wenn man möchte auch langsamer. Als Journalist ist man befreit von dem durch die Drucktechnik und Logistik aufgezwungenen Redaktionssschluss.
Guten Tag,
Alles klar verständlich und nachvollziehbar, aber diese “Springerisierung” einer provinziellen Tageszeitung halte ich für den falschen Weg!
Das beim NK immer mehr auf schlagkräftige Titelzeilen und weniger Inhalt gesetzt wird, fällt jedem aufmerksamen und interessierten Leser auf.
Auch bezweifle ich stark den wirklichen Lokalen, investigativen Einsatz!
Wo wurde z.B. schon mal wirklich konkret über die “Misswirtschaft” hinter den Kulissen im Festspielhaus berichtet?
Dann werden (wie aktuell) Interviews aus überregionalen Wochenmagazinen bewusst in falschen Zusammenhängen und Sinnverdreht dargestellt usw.
Wenn das die Zukunft der regionalen Oresse sein soll dann Gute Nacht
Lieber Herr Hahn,
erlauben Sie, dass ich Ihnen widerspreche. Aber der Anteil an lesernahen, eigenrecherchierten Geschichten ist in den vergangenen Monaten nachweisbar deutlich angestiegen. Das bedeutet mehr Inhalt in der Zeitung. Und ich kann das auch gut sagen, weil dies ein Verdienst der Kollegen ist.
Über die Misswirtschaft im Festspielhaus berichten wir gerne, allerdings gibt es außer Ihrem Schlagwort darauf keine belastbaren Hinweise. Dass wir die Verhältnisse auf dem Hügel (und um Haus Wahnfried) mit kritischer Distanz begleiten, haben wie in den vergangenen Monaten bewiesen.
Und die Interviewaussage von Frau Wagner wurde weder sinnverdreht, noch aus dem Zusammenhang gerissen erörtert. Die war so sehr Klartext, da gibt’s nichts misszuverstehen (auch wenn Frau Wagner im Nachhinein versucht hat die Kritiker ins Unrecht zu setzen).
“Die Erlöse der Verlage im klassischen Printgeschäft sind auf dem Stand von Anfang der 1990er Jahre.”
Bin über diesen Satz bei BildBlog gestolpert. Anfang der 1990er war ich sieben Jahre alt, und habe noch keine Zeitung gelesen, weiß also nicht wie es den Zeitungen damals ging (ich nehme mal an, dass es denen im Osten der Republik schlecht ging). Aber abgesehen von Mutmaßungen, verstehe ich den Satz nicht: Anfang der 1990er, das war vor dem großen New Economy Boom, das war sozusagen noch die gute alte heile Zeitungswelt – oder sehe ich das Falsch, ohne Internetkonkurrenz. Wenn die Erlöse im Printgeschäft also wieder wie Anfang der 90er sind, dann verstehe ich als Kind der New Economy darunter: es muss wohl alles in Butter sein. Aber dem Kontext nach war das nicht so gemeint. Bitte erkären
@Tilman_s: Ganz einfach: Wenn die Einnahmen (= Erlöse) auf dem Stand von vor 20 Jahren sind und die Ausgaben (= Kosten)auf dem von heute, dann haben die Zeitungen ein Problem.
Lieber Herr Braun,
Ihre Ansichten und Einstellungen zum Medium gefallen mir sehr. Noch viel mehr die sehr eindeutige Stellungnahme, dass sich Journalisten im lokalen – die ja alle um den Pulitzer-Preis schreiben – endlich bewegen und sich den aktuellen Herausfordeungen stellen müssen. Der nächste Schritt für diese Mitarbeiter ist, zu realisieren, dass Sie nicht für Ihren Selbstzweck/Ihre Berufung sondern für ein Verlags-Unternehmen mit allen medialen Ambitionen arbeiten sich damit identifizieren und dafür auch Verantwortung tragen…dann wird´s richtig gut. Viel Erfolg.
Zum Thema “Mein Verein” wird es viele unterschiedliche Meinungen geben. Mein Hauptkritikpunkt daran ist allerdings der Erscheinungstermin Freitag. Das meiste Vereinsgeschehen findet doch am Wochenende statt, am Freitag sind die Nachrichten kälter als der Kaffee vom Vortag, selbst wenn es “nur” Vereinsnachrichten sind. Warum nicht Dienstag? Dann wären sicher auch die Vereine eher zufrieden, auch wenn man es nicht allen rechtmachen kann. (Und die freien Mitarbeiter würden nicht ständig mit Anfragen wie “wann kommt den der Artikel endlich” bombardiert.)
@ hs: Wir haben lange überlegt, welcher Termin passt vom Workflow, von der Aktualität und drucktechnisch. Am Ende blieb nur der Freitag. Tatsache ist, dass gerade für die technische Redaktion, die “Mein Verein” bastelt, sogar am Freitag die Zeit sehr eng ist.
Im Übrigen glaube ich, dass sich Vereinsvorsitzende und interessierte Leser inzwischen tatsächlich an den Freitagstermin gewöhnt haben. Und brisante Vereinsneuigkeiten erscheinen ohnehin tagesaktuell im Kurier.
Ein durchaus lesenwerter Blogpost mit interessanten Ansätzen. Allerdings gibt es meiner Meinung nach drei Grundprobleme.
1. Das Geschäftsmodell Tageszeitung funktioniert nicht mehr. Anzeigenkunden nutzen immer stärker den direkten Kundenkontakt bspw. über soziale Medien, eigene Medienprodukte oder alternative Werbemaßnahmen (Corporate Publishing, Blogs, Websiten, Foren, Google Adwords, Affiliate-Netzwerke etc.), was einerseits kostengünstiger ist, ihnen andererseits aber auch ermöglicht den Inhalt selbst zu bestimmen, die gewünschte Zielgruppe besser anzusprechen sowie den Erfolg ihrer Kampagnen direkt messen und optimieren zu können. Leser dagegen sind angesichts einer wahren Schwemme medialer Angebote nicht mehr bereit Geld für journalistische Inhalte zu zahlen. Es sei denn, dass diese einen echten Mehrwert bieten. Die Tageszeitung muss sich jedoch nicht nur mit zahlungsunwilligen Lesern herumplagen, sondern mittlerweile auch hart um die Aufmerksamkeit ihrer Leser kämpfen und das selbst im lokalen Bereich. Kostenlose Stadtmagazine, Websiten, Blogs, Facebook-Seiten, Lokalradio, Lokalfernsehen, kostenlose Wochenblätter, Behörden-Seiten etc. bieten massig Informationen. Den Unterschied zwischen einer journalistisch aufbereiteten, möglicherweise kritischen Berichterstattung und eventuell positiv eingefärbten Infos, beispielsweise aus einem Mitteilungsblatt oder Laien-Journalismus, erkennt der Leser teilweise nicht einmal. Wie soll er da erst den Wert der Tageszeitung erkennen und dafür auch noch zahlen? Zumal viele Regionalzeitungen auf kostengünstige, freie Mitarbeiter zurückgreifen, die hobbymäßig schreiben (Lehrer, Hausfrauen, Vereinsmitglieder) und oftmals belanglose Artikel voller Platitüden, langweilige Nachberichterstattungen oder wahre Jubelarien abliefern, die sich kaum vom Mitteilungsblatt-Stil unterscheiden.
2. Journalisten leiden bei ihrer Sichtweise auf die Zukunft der Tageszeitung unter Binnensicht. Als Ex-Journalist (u.a. auch als freier Mitarbeiter beim Nordbayerischer Kurier) habe ich selbst die Erfahrung gemacht, wie sehr sich die Perspektive verändert, wenn man nicht mehr im Journalismus tätig ist und plötzlich einen distanzierteren Standpunkt einnimmt. Journalisten halten sich und ihre Arbeit für unentbehrlich. Sie sind der Überzeugung, dass dies Gesellschaft und Leser genauso sehen. Mein Eindruck ist eher, dass die meisten Leser und der Großteil der Gesellschaft definitiv andere Probleme haben, als sich großartig mit lokalem Journalismus oder Journalismus überhaupt auseinanderzusetzen und damit zu beschäftigen. Die Aufmerksamkeit und Bedeutung, die Journalisten vielleicht in den vergangenen Jahrzehnten als gegeben annehmen konnten, existiert einfach nicht mehr. Erst recht nicht bei Leuten unter 40.
3. Die Tageszeitung ignoriert ihre Stammleserschaft. Bei den meisten deutschen Tageszeitungsverlagen liegt das durchschnittliche Abonnentenalter zwischen 55 und 60 Jahren. Das ist die treue Leserschaft der Tageszeitung, die seit Jahrzehnten das Blatt abonniert hat und dies vermutlich auch bis zum Tod so beibehalten wird. Diese Zielgruppe lässt sich wohl kaum als sonderlich experimentierfreudig beschreiben. Verwundert es da, dass es Proteste hagelt, wenn plötzlich Partybilder-Strecken in der Zeitung auftauchen, das Layout verändert wird und die Redaktion krampfhaft versucht einen ultrahippen oder grottig schlecht imitiert Boulevardstil zu pflegen? (Was sich übrigens nicht auf den Nordbayerischen Kurier bezieht, sondern auf die regionale Tageszeitung in meiner Gegend). Anstatt die alte Leserschaft mit der Pflege des bisherigen Produkts einigermaßen zu halten und potenzielle junge Leser mit anderen Medienangeboten zu gewinnen, wird angesichts des drohenden Untergangs der verzweifelte Versuch unternommen, gleich die gesamte, noch verbliebene Leserschaft zwangsweise ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Gleichzeitig werden jedoch beispielsweise kaum Online-Angebote mit eigenständiger Berichterstattung gepflegt, stattdessen werden alte Zeitungsartikel ins Netz gestellt und noch mit ein bisschen Video- oder Audiomaterial aufgepeppt. Erst, wenn die Tageszeitung ihre Zielgruppe bestimmt hat, dann kann sie auch ein interessantes Medienangebot präsentieren.
So, lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke, wie dies schon zahlreiche Medienleute von den USA bis nach Düsseldorf gesagt haben, dass Journalismus und journalistische Berichterstattung immer bestehen und im Netz sogar noch wachsen wird. Egal in welcher Form auch, sei es von nebenberuflichen Schreibern, Bloggern, stiftungsfinanziert etc. Der Beruf des festangestellten Journalisten dagegen in seiner bisherigen Form, gerade bei Tageszeitungen, wird immer mehr schrumpfen. Somit werden sich auch Tageszeitungsverlage wandeln und sich neue Geschäftsmodelle suchen. Ob dabei am Ende noch Journalismus übrigbleibt, bleibt abzuwarten.
Beste Grüße
XY
Lieber Joachim,
Hut ab vor Deinem Mut (Pressekonferenzen meiden!) und Deiner Zukunftsvision. Beim “Tölzer Kurier” hat sich in dieser Hinsicht leider nicht viel getan … hier kuemmert man sich nach wie vor um’s “leibliche Wohl”, und Hauptsache Pfarrer, Buergermeister und Vorstand werden erwaehnt und sind richtig geschrieben. Niemand beim TK weicht von den alten Pfaden ab. Habe frueher – bei der Rundschau – einen Ordner gefuehrt “Was nicht in der Zeitung stand” und denke heute, dass es genau das ist, was die Leute wissen wollen und wofuer sie bezahlen würden. Im Lokaljournalismus ist das schwierig, ich weiss.
Ich freue mich, dass Du so engagiert bist und grüße Dich freundlich.
Renate Mayer
Ich (62 J.) beziehe die mich interessierenden Informationen überwiegend aus den Online-Angeboten verschiedener Medien, auch des NK. Gleichwohl möchte ich auf die Druckausgabe des NK nicht verzichten. Als ehemals für die Öffentlickeitsarbeit Verantwortlicher einer große Behörde habe ich Ihren Artikel, sehr geehrter Herr Braun, mit großem Interesse gelesen. Ich muss sagen: Ich staune und bin posiiv überrascht. Zum einen, weil neben einer Analyse auch Lösungsansätze aufgezeigt werden, zum anderen, weil sich hier jemand teilweise kritisch zum eigenen Berufsstand äußert. Wo, bitte, findet man das in anderen Branchen?
PS: Ich persönlich wünschte mir manchmal ein noch umfangreicheres Online-Angebot des NK.
MfG
Lieber Kollege,
es wird Sie nicht wundern, dass ich als Ex-RNT(NK-)-ler, freier Journalist und aktiver Verbands-/Gewerkschaftsmensch zu einigen Ihrer Statements auch meinen Senf geben muss. Wie unter Kollegen üblich, müssen Sie schon selbst rausfinden, wie ernst oder ironisch ich das meine.
1. “. . . dass wir Journalisten schleunigst lernen müssen über die Themen zu schreiben, die unsere Leser/Kunden tatsächlich interessieren.” Heißt im Umkehrschluss: Noch machen wir es nicht. Herrschaften, ich zahle euch monatlich Geld! Und ihr verarscht mich, weil ihr ja Nichtinteressierendes bringt? Da wüsste ich gerne den prozentualen Anteil und woher ihr wisst, was mich interessiert.
2. “. . . dass das Geschäftsmodell gedruckte Zeitung eigentlich am Ende ist.” Jaja, alter Trick, mit dem Begriff “eigentlich” kann man alles verschwurbeln. Das alte Geschäftsmodell ist am Ende – stimmt. Aber Print an sich sinkt gerade bei Lokalzeitungen, oft relativ langsam, im Zeitschriftenbereich geht es mit diversen Blättern aufwärts. Kommt halt drauf an, was drinsteht. Sie sagen es ja selbst ganz richtig: viel Lokales, viel Hintergrund. Warum bringt der NK dann noch so viel Kurz-Nachrichtliches?
3. “Das Netz ist alles”. Stimmt mindestens für einige Jahrzehnte noch nicht. Richtig ist aber, dass qualitativ hochwertiger Journalismus in allen Medien stattfinden kann, Redakteure also nicht zu weinen brauchen, wenn Print sinkt. Aber!: Man muss den Verlegern in den Hintern treten, damit sie endlich Geschäftsmodelle für Online entwickeln lassen, das darf nicht Nebensache sein.
4. Ist ja rührend, das mit den Erlösen von 1990. Es gibt aber in Deustchland keinen Zeitungsverlag, der nur von Print-Tageszeitung lebt. Einnahmen kommen aus Versandgeschäften, Anzeigenblättern, Buchverkäufen etc. Und Geld ausgegeben wird oft für (unsinnige?) Beteiligungen an Privat-Hörfunk, Privat-TV, Konkurrenzzeitungen. Mehr dazu im nächsten BJVreport. Der NK ist da zugegeben im Vergleich zurückhaltend, aber seine Renditeempfänger haben ihren Lebensstil noch nie einschränken müssen. Die Belegschaft, als sie eine Zeitlang freiwillig auf 20% Gehalt verzichtete, schon.
5. “. . . zählen nur noch: Qualität. . .” Etzatla oba!! Weil ich mal was über den Zusammenhang von Personalstärke und Qualität schreiben wollte, hab ich den NK acht Wochen intensiv gelesen. Eieiei, da werden Markgräfinnen verwechselt, Wortdopplungen in Unterzeilen übersehen, Umgangssprache für Hochdeutsch verkauft. Bittschön, junge Leute sollte man viele haben, weil das in der Regel auch viele neue Ideen bedeutet. Aber dann sollte auch alles Gegengelesen werden, ein bisschen betriebsinternere Unterricht kann nichts schaden und der Schlussredakteur (gibt es so etwas noch?) muss tapfer in Kollegenartikeln herumstreichen dürfen.
6. Zu den bösen, bösen Tarifverträgen: Der DJV hat schon öfters auf entsprechende Vorhaltungen der Verleger freundlich gefragt: Wie wollt ihr denn Leistung definieren? Dann kam nur ein äh,äh. Nach Zeilenausstoß? Unsinn. Dann wäre der Chefredakteur als erster draußen, noch vor dem Kulturmenschen. Nach Qualität? Ja, was ist denn Qualität? Lesermeinung? Verlegermeinung? Politikermeinung? Sie wissen genau, der Ursprungsgedanke in Sachen Tarife war der, dass Menschen dann mehr Geld bekommen sollten, wenn sie es aufgrund des Lebensverlaufes (Wohnungsbezug, Familiengründung, Ausbildung für Kinder) brauchen. Wir reden auch über andere Kriterien, aber nicht bloß wischi-waschi. Übrigens: Tägliche Team-Motivierung und Ideenvorgabe ist, auch wenns schwerfällt, beim Vorgesetzten in der Bezahlung drin.
Wenn der CR sich nach außen nicht hinter alle seine Leute stellt und auch zu unnötig beharrenden Kräften nicht so lieb ist, wie sich das gehört, fang ich wieder mit meiner Fehlersammlung an und melde mich in diesem Blog . . .
6. Der NK hat sich unter dem aktuellen CR (wie auch schon bei früheren) journalistisch gewandelt. Fast nur zum Guten. Zumindest in der Absicht, bei der Umsetzung stoßt ihr an Grenzen. Und bitte bescheiden bleiben. Ob Onliner oder Print-Methusalem: Keiner weiß genau, was “die Leser” wollen.
7. Und während die Herrschaften Angestellten sich jetzt ins Bettchen legen und ans Gehaltskonto denken, verlässt der freie Journalist endlich das Internet, um in Ruhe bis zum Morgengrauen Artikel zu schreiben, um die Umsatzsteuer-Vorauszahlung leisten zu können. Wenn der NK seinen Honorar-Nachholbedarf aufarbeitet, reichts bei einigen von uns vielleicht auch für ein paar Scheiben Graubrot.
herzlicher gruß
michael anger
Lieber Herr Anger,
1. Stopp Ironie: Nicht nur Sie, auch die anderen Zeitungsleser wissen, ob es relevant ist für sie, was sie bekommen. Deswegen soll es ja Menschen geben, die tatsächlich glauben, auf “ihre” Zeitung verzichten zu können.
2. Eigentlich = nicht sofort. Und Hintergrund gibt’s in der Zeitung jede Menge, und Kurzes auch, solange es Menschen gibt, die sich eben nicht im Internet bewegen.
3. Auch die Verleger haben ein Problem: Das Netz finanziert im Lokalen keine Redaktionen.
4. Warum soll ein Verleger seinen Lebensstil einschränken, wenn es auch anders geht? So ist Kapitalismus. Und tatsächlich haben die Verleger auch verzichten müssen, als beim NK per Haustarif die Mitarbeiter verzichteten. Alles ist relativ.
5. Stopp Ironie: Ich kann Ihnen genau sagen, wer in meiner Redaktion zu viel Geld bekommt und wer zu wenig. Das ändert nichts daran, dass die Tarifrealität die Faulen, Unvermögenden schützt – sogar vor betriebsbedingten Kündigungen. In Sachen Fehlern haben Sie Recht, aber dazu habe ich in meinem Blogpost auch nichts anderes gesagt.
6. Was die Leser oder eine Mehrheit der Leser nicht wollen, das wissen wir schon. Und, glauben Sie mir, das macht bescheiden.
7. So einen freien Journalisten wie Sie kann ich mir erst leisten, wenn die Erlöse kräftig gestiegen sind.
Bis bald
Joachim Braun
Lieber Herr Braun,
als Bayreuther Kind, der jetzt in Bamberg eine Exilheimat gefunden hat schaue ich mit Neid auf den online Auftritt des Nordbayerischen Kuriers.
Ihr Haus ist eindeutig der Vorreiter in ganz Franken – bei ihnen können sich alle Medienhäuser eine Schreibe Abschneiden. Sie machen schon vieles Richtig was andere erst noch lernen müssen, auch wenn man natürlich an vielen Punkten noch einen Schritt weiter gehen könnte, aber ich bin da guter Zuversicht das sie das Leisten werden.
MfG
Benjamin Stöcker
Sehr geehrter Herr Braun,
sicher mag einiges von Ihren Gedanken richtig sein. Ich kann mir aber ein paar Anmerkungen nicht verkneifen:
Online funktionieren ausschließlich Boulevard-Themen, alles andere ist betriebswirtschaftlich gesehen keinen Aufwand wert. Hatten Sie schon mal einen “Klick-König”, der kein Boulevard-Thema war? Das bedeutet, die Übertragung der Printthemen nach online macht keinen Sinn. Wenn der Redakteur nun “onlin-affin” sein soll und seine Quotenerkenntnisse auf Print überträgt, macht er Ihnen ein Boulevardblatt von der übelsten Sorte.
Wo soll der Redakteur überhaupt die Kapazität für Twitter (kennen Sie jemanden privat, der das noch benutzt?) Facebook hernehmen, wenn er nicht an anderer Stelle entlastet wird? Neulich habe ich den schönen Satz gehört “Myspace ist ja sowas von 2010″. Und wann wird Facebook “sowas von 2012″ sein? Sind Zeitungen schnell genug, um auf neue Online-Services zu reagieren, oder kommen sie erst um die Ecke, wenn das Portal fast durch ist? Zuckerberg wird das Unternehmen auf dem Höhepunkt verkauft haben, so schlau ist er.
Die meisten Homepages von Regionalzeitungen sehen genau so aus: “Das bischen online machst Du nebenher”. Wo soll die Kapazität denn auch herkommen? Ich kenne keine Redaktion welche die Printredakteure entlastet hätte, damit diese Zeit für Online hätten. Seit der “Lopez-Ära” in den Jahren nach 2000 wurden die Redaktionen “verschlankt”, die Effizienz der Redakteure “gesteigert”. Effizienz heißt, viel Output mit wenig Aufwand. Oder wie würden Sie Effizienz in der Redaktion definieren? D.h. in der Praxis Terminjournalismus (wo ja der Text schon als Pressemeldung weitgehend vorliegt), Redaktionsgespräche und Portraits, Termine mit wenig Aufwand. Rechercheintensive Themen? Keine Zeit. Da muss ich auch ihre Anmerkung zum Alterstarifvertrag kommentieren: Wer kann denn schnell und gut liefern, ohne große Recherche? Jemand mit über Jahre erworbenem Wissen um Hintergründe und langwierig aufgebauten Kontakten. Jemand dem man auch mal was “steckt”, weil man sich gut kennt.
Das “Nah-am-Leser” ist ja nett und wird immer wieder gerne zitiert, ist aber in den meisten Zeitungen fern ab jeder Realität. Die Zeitungen haben ihre klassische Leserschaft längst outgesourct. Wer heutzutage noch nah am Leser ist, sind allenfalls die freien Mitarbeiter. Wer geht denn bei Ihnen auf die Dorffeste, zu den Kleintierzüchtern? Nun sitzen ausgerechnet da die Leute rum, welche die Zeitung KAUFEN. Und am späteren Abend sagen die einem schon die Meinung über das Blatt. Wer nimmt sich die Zeit mit denen zu “plaudern”? Der Freie, der schauen muss, dass er nach 10 Minuten wieder weg ist und am PC sitzt um auf einen halbwegs akzeptablem Stundenlohn zu kommen? Rechnen Sie mal den Stundenlohn eines Ihrer Freien aus und vergessen Sie nicht, die 40 Minuten An- und Abfahrt einzupreisen. Ich bin kein Freier, weiß aber durchaus, das die als Selbständige rechnen können und dies auch tun. Was können Sie da an Leistung fürs Geld erwarten? Es ist immer wieder faszinierend wie bei jedem Produkt der Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität zitiert wird, blos nicht beim Personal.
Die Redakteure sind so effizient, dass sie sich in der Regeln nur noch mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft unterhalten – wenig Aufwand, für viel Textmenge. Diese verfolgen aber ein ganz eigenes Ziel und sind nicht geeignet ein Bild der Lesers von Blatt in die Redaktion zu tragen. Je höher die Position eines Redaktionsmitarbeiters, desto weniger Leserkontakt hat er. Das führt dazu, dass die Entscheidungsträger, die Strategen in den Verlagen in der Regel gar keinen Kontakt mehr zur zahlenden Kundschaft (ich meine die Abonnenten, nicht die Anzeigenkunden) haben, sondern sich nur noch mit von eigeninteressen gesteuerten Klackeuren umgeben. Ich glaube nicht, dass das gutgehen wird.
Wenn ich jemand “lieben” will, sollte ich mir schon die Mühe machen, ihn kennen zu lernen.
Warum Pressekonferenzen boykottieren? Wie wäre es mit spannenden, gut vorrecherchierten Fragen? Wäre doch auch eine Option. Wenn ich mir da nur die Pressemeldung vorlesen lasse, sind PKs natürlich überflüssig.
Wenn ich so Sätze höre: “du musst da jetzt nicht den ganzen Vormittag rumtelefonieren und nachfragen, schreib an der Stelle halt die Sitzungsvorlage ab. Du musst nicht alles verstehen was Du schreibst!” (Ressortleiter zum Volontär – nicht bei Ihnen) zeigt sich ganz klar, was jenseits der Sonntagsreden wirklich verlangt wird: Masse, Masse, Masse – und zwar schnell und billig! Ich bestreite ja nicht, dass eine Zeitung Rendite bringen muss, aber das Lopez-Prinzip? Kurzfristige Rendite mit anschließendem Ableben? Das kann’s meiner Meinung nicht sein.
Wie wäre Ihre ehrliche Reaktion, wenn einer Ihrer Redakteure den ganzen Abend auf einem Dorffest versumpft ist?
a) “Toll, erzähl mal: was beschäftigt die Leute, was sind die Themen im Dorf? Was war das Feedback zu unserer heutigen Ausgabe?”
b) “Dafür willst Du Dir jetzt nicht im ernst 5 Stunden aufschreiben!”
Soweit meine Anmerkungen.
Ich wünsche Ihnen eine schönen Tag und viel Erfolg mit Ihrer Zeitung.
G.H.
Werter G. H.,
Was in print funktioniert, funktioniert auch online. Es ist nur die Frage, ob wir die Clicks als einziges Kriterium ansehen oder unsere Aufgabe, die lokale Welt abzubilden, ernst nehmen. Die wahren Aufreger auf unserer Onlineseite sind die gleichen Themen, die wir im print spielen. Mit Boulevard hat das nichts zu tun.
Ob der Redakteur die Kapazität für Social Media hat, ist eine Frage der Organisation und der Prioritäten.
Gerade im Terminjournalismus (Vereine) gilt es alte Zöpfe abzuschneiden, und eins ist klar: Früher, als Fotos noch mühsam entwickelt werden mussten und es weder E-Mail noch Internet gab, war Journalismus in vielerlei Hinsicht beschwerlicher als heute. Und missverstehen Sie mich bitte nicht: Ich schätze die Arbeit von erfahrenen Kollegen, aber nur, wen Routine nicht Bequemlichkeit und mangelnde Recherche bedeutet. Dass die Veränderung auch den Stellenwert und die Bezahlung freier Mitarbeiter einschließt, da gebe ich Ihnen völlig recht, beim Thema Leserkontakte irren Sie: Dass ältere Polizisten nicht auf Streife gehen wollen, verstehe ich, bei älteren Reportern ist dies nicht akzeptabel.
Alles andere habe ich schon dargestellt.
Hallo Herr Braun,
mich irritiert immer wieder der Hinweis, dass es im Print einen ausführlicheren Bericht gäbe.
Das hinterlässt bei mir den Eindruck, dass der Online-Leser bei Ihnen noch immer nichts wert ist – wahrscheinlich, weil er ja nichts bezahlt und somit nicht als Kunde betrachtet wird – und die Website nur ein notwendiges Übel ist.
Gleichzeitig spekulieren Sie jedoch selbst, dass die Printzeitung irgendwann ausgestorben ist. Und Sie wollen bzw. müssen ja auch in der Online-Werbung irgendwann mal richtig Geld verdienen. Das passt mit der Schlechterstellung des Online-Lesers nicht ganz zusammen.
Klar, jetzt kommt wieder das Argument, dass man nichts umsonst haben könne. Aber wenn es keine Print-Kunden mehr gibt, wie wollen Sie dann Geld verdienen? Neue Geschäftsmodelle müssen sich wohl vom Abo verabschieden. Und Sie sollten m.E. schon jetzt die Grundlage schaffen, später ausreichend regelmäßige und treue Online-Leser zu haben. Das geht nur, wenn sie als vollwertige Kunden betrachtet werden. Auch wenn sie vermeintlich nichts zahlen.
Denn sie zahlen ja in Form von Impressionen, welche für die Werbewirtschaft von ähnlicher Bedeutung ist, wie die Auflage Ihrer Printzeitung.
Lieber Herr Palme,
ich kann Sie trösten, Sie sind uns als Onlinekunde lieb und teuer. Demnächst bekommen Sie auch unsere exklusiven, aufwändig recherchierten Geschichten komplett im Internet – gegen Geld! Damit werden Sie genauso gut gestellt sein wie der Print-Abonnent.
Denn leider stimmt Ihre These nicht, dass Ihre Clicks von der werbetreibenden Wirtschaft ähnlich gut bezahlt werden wie die Anzeigen in der gedruckten Zeitung.
Ich habe nicht davon gesprochen, dass hier ähnlich gut bezahlt wird. Noch nicht. Dafür erzeugt aber online deutlich mehr Impressionen als eine gedruckte Zeitung.
Dazu muss man aber die Bevölkerung auch einladen, die NK-Website regelmäßig und ausgiebig zu lesen. Sie zu zwingen, die Printausgabe zu kaufen oder für einen Zugang zu zahlen, schränkt die Leserschaft natürlich extrem ein.
Auch haben Sie viel mehr Möglichkeiten, zu prüfen, was wie lange gelesen wird. Entsprechend kann man die Werbung bis ins kleinste steuern.
Aber das müssen Sie wissen.
Lieber Herr Palme,
das Problem ist “noch”. Wer soll das alles finanzieren – und ein Redaktionsapparat wie beim Kurier ist teuer – bis die Einnahmen passen?
Und: Was heißt “zwingen”, die Printausgabe zu kaufen? Wenn Sie einen Kuchen haben möchten und ich Ihnen als Bäcker den Kuchen nicht schenke, zwinge ich Sie dann den Kuchen zu kaufen?
Außerdem liefern wir Ihnen trotz des Hinweises auf die gedruckte Ausgabe online in der Regel die komplette Nachricht. Nur die Hintergründe müssen sie “kaufen”.
Guten Morgen,
solange Sie keine ernsthafte Konkurrenz bekommen, mag Ihr Modell funktionieren.
Sobald aber ein andere Bäcker den Kuchen mit bezahlter Werbeaufschrift verschenkt, dann ändert sich auch die Erwartungshaltung Ihrer Kunden.
Aber, lieber Herr Palme, auch der Konkurrent muss sich finanzieren und dafür reicht ein Werbeschriftzug auf dem Kuchen leider nicht mal ansatzweise. Das genau ist unser Problem!
Wieso verschließen Sie sich so? Das passt so gar nicht zu Ihrem Artikel.
Schauen Sie sich Ihre Preisliste mal an: obwohl online eine weit bessere Zielgruppen-Eingrenzung möglich wäre, viel individuellere Preismodelle, u.v.m. ist Ihr Angebot – im Vergleich zur Printwerbung – nur halbherzig und stink langweilig.
Ich gehe mal davon aus, dass dies in Ihrer Branche üblich ist. Wundern darf man sich da nicht, warum da keiner werben bzw. nicht viel zahlen will.
Dass im Internet alles nix kosten darf, ist eine Eigenart dieses Mediums und nicht branchenspezifisch.
Dass wir Zeitungsleute da aber noch viel kreativer werden müssen, ist absolut richtig. Ist aber zum Glück nicht meine Baustelle.
Ich habe mir nun lange Gedanken über mein Verhalten gemacht und ob ich bereit wäre, für eine Tageszeitung zu bezahlen.
Die Nachrichten von gestern interessieren mich nicht. Von daher fällt Print definitiv weg. Alles Wichtige und Unwichtige bekomme ich den ganzen Tag über per TV, Radio, Feeds, Mails und Facebook.
Wenn mich was richtig interessiert, dann reicht mir eine einzige Informations-Quelle nicht aus. Im Google-Zeitalter findet man schließlich die Schuhgröße des US-Präsidenten schneller als das Impressum der vor mir liegenden Tageszeitung. Also warum sollte ich mich auf einen einzigen Journalisten begrenzen? Folglich kommt auch ein Online-Abo nicht infrage.
Wenn ich dann über Google oder Facebook auf einen KURIER-Artikel stoße, lese ich diesen natürlich. Wenn ich aber lesen muss, dass es den ausführlichen Bericht in der morgigen Printausgabe gibt, dann bin ich sofort wieder weg. Ich will die Informationen schließlich JETZT haben.
An dieser Stelle kommt die Frage auf, ob ich nun für einen einzelnen Artikel zahlen würde:
Wenn es einfach nur um Neugierde geht, ist die Antwort klar: Nein. Das Interesse besteht eh nur wenige Minuten. Und wenn es doch ein Straßenthema wird, erfährt man alles Nötige beim Edeka, auf der Arbeit, am Stammtisch oder eben auf Facebook. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt. Wozu brauche ich da einen Journalisten?
Anders, wenn mich ein Thema persönlich betrifft, wenn es länger von Interesse ist, wenn es einen Nutzen für mich darstellt. Dann würde ich für die Informationen auch bezahlen.
Aber: Finde ich dann eine Tageszeitung für kompetent genug? Wie exklusiv sind die Informationen wirklich? Kann ich ein paar Stunden Geduld aufbringen, bis die digitale Busch-Trommel eh alles verbreitet hat?
Wovon ich aber überzeugt bin ist, dass es unzählige kleine, regionale Firmen hier gibt, die weder zu einer Werbeagentur gehen, noch sich mit Google AdWords auseinander setzen wollen oder können. Firmen, die also praktisch nur darauf warten, nach einer guten Fach-Beratung regional relevante Anzeigen auf den KURIER-Seiten stellen zu können. Keine aufwändigen Superbanner, keine Digital-Beilagen, keine 25 KFZ-Anzeigen pro Jahr auf BT24.de. Sondern einfach nur eine Anzeige, für die sie dann auch gerne etwas zahlen.
Vielleicht helfen Ihnen meine Gedanken ja ein bisschen.
Gruß
Thomas Palme
Den Onlinemedien fehlt
die haptische Dimension einer
Tageszeitung.
Gefaltete Flieger und Helme
fuer die Enkel sind halt mit
einer Website nicht machbar.:-)
Sie haben Recht, Herr Palme. Die Nachrichten, die wir anbieten, müssen eklusiv und relevant sein, damit sie verkäuflich sind. Daran arbeiten wir. Und auch Ihre Gedanken zum Anzeigenverkauf teile ich nachdrücklich. Danke!
Seien wir doch mal ehrlich: Wie sieht das neue Arbeiten des Lokalredakteurs aus? Zusätzlich zum Schreiben und Fotografieren – ob auf Termin oder Eigenrecherche – soll er noch schnell ein Video drehen und bei der Rückkehr in die Redaktion erst mal die Online-Kollegen bedienen. Denen hat er von vor Ort fix ein paar Fotos übers (private) Smartphone geschickt und ein paar Infos für den Text durchtelefoniert. Das alles wird zunehmend zum Pflichtprogramm, denn natürlich haben die Verlage erkannt, dass online ein wichtiger Verbreitungskanal ihrer Inhalte ist. Der muss und soll genutzt werden. Aber wie soll die Zeitung damit punkten, wenn das alles en passant erledigt werden muss? Dabei noch Qualität zu liefern, ist ein wahres Kunststück.
Was die Inhalte angeht: Da ist das Ei des Kolumbus noch nicht gefunden. Was wollen unsere Leser? Zum einen, dass ihr Verein, ihr Chor, ihr Umfeld würdig in der Zeitung repräsentiert werden. Das sind Texte, die sonst niemanden interessieren, aber wenn sie fehlen, ist der Aufschrei einiger groß. Letztlich ist jeder Artikel ein Minderheitenprogramm, und viele Minderheiten ergeben am Ende eine Mehrheit. Ohne kritische, selbstrecherchierte Geschichten obendrauf ist dieses Vereins- und Pflichtprogramm allerdings zum Scheitern verurteilt. Das eine nicht lassen, aber deutlich kleiner machen, das andere ausbauen – das könnte ein Weg sein. Stammleser halten, neue gewinnen, egal mit welchem Medium.
Allein dieser Satz:”2011 war ein Wirtschafts-Wunder-Boomjahr in Deutschland”
ist an betriebs- und volkswirtschaftlicher Unkenntnis und menschenverachtendem Zynismus nicht mehr zu überbieten. Wenn ich (Männlich, Jahrgang 1973)die abonnierte Print-Zeitung (Hannoversche Allgemeine) meiner Eltern sehe, dann wechseln meine Gefühle zwischen Wut und Abscheu. Diese und andere Print- Zeitungen bestehen aus Personenkult, Regierungs-PR und Konzern-PR, insbesondere bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung aus Volkswagen-PR, offensichtlich mit dem Ziel den älteren Menschen eine Realität zu simulieren, die es so nicht mehr gibt, Hauptsache sie wählen brav “SPDCDUFDP” und kaufen irgendeinen biederen VW/Audi/Skoda-Neuwagen vom letzten ersparten Geld –
Die Menschen haben hauptsächlich Existenzprobleme, bedingt durch exessive Massenarbeitslosigkeit und unter anderem dadurch begründete Perspektivlosigkeit. Das sind die Themen der Menschen jeden Tag und jede Nacht in Deutschland und nicht die üblichen Propaganda-Jubel-Meldungen. Gleiches gilt natürlich für alle Mainstream-Medien.
Ich freue mich jeden Tag auf den Kurier, weil ich mir in Ruhe über die aktuellen Geschehnisse informieren kann, dank der Vorarbeit und Vorauswahl der Redaktuere.
Wenn ich das übers Internet selbst machen müsste, davor würde mir grauen!
Da für mich auch Ankündigungen von lokalen Veranstaltungen wichtig sind, sollte man diese übersichtlich geordnet nach Stadt oder Landregion auffindbar machen.
Ein 8-zeiliger Einspalter ohne Bild irgendwo zufällig im Berichtsteil ist leicht überlesbar. Vielleicht lässt sich das noch verbessern.